Bericht aus dem Liechtensteiner Vaterland vom 22. Oktober 2002

 

«Grippe: Impfen oder kämpfen?»


Ist die Grippeimpfung sinnvoll oder nicht? Darüber scheiden sich die Geister. Die Impfung biete zwar einen 60- bis 70-prozentigen Schutz und wird vor allem älteren und immungeschwächten Personen empfohlen. Absoluten Schutz bietet aber auch sie nicht.

 

Von Desirée Franke-Vogt

 

Noch ist sie nicht da, die Grippewelle. In den Arztpraxen herrscht laut Umfrage noch kein übermässiger Betrieb. In den letzten zwei Wochen seien die Grippeerkrankungen zwar leicht angestiegen, die Lage sei aber keineswegs dramatisch, heisst es. Angestiegen ist jedoch die Nachfrage nach Grippeimpfungen, immer mehr Jugendliche wollen sich zudem gegen die Viren schützen. Dies bestätigten beinahe alle angefragten Arztpraxen. Doch auch die Grippeimpfung bietet keinen absoluten Schutz.

 

«Die Impfung hat wenig Nebenwirkungen»

 

Wer sich dazu entschieden hat, der nächsten Grippewelle mit der Impfung den Kampf anzusagen, sollte sich innerhalb der nächsten Wochen impfen lassen. «Es benötigt zwei bis drei Wochen, bis die Impfung wirksam ist», sagt Christian Vogt, Arzt aus Triesenberg. Die Grippeimpfung biete einen 60- bis 70-prozentigen Schutz für den zu erwartenden Grippevirus. «Die Impfung bietet jedoch keinen Schutz gegen normale Erkältungskrankheiten», so Vogt. Und auch vor dem Virus, gegen den man geimpft worden sei, sei man nicht zu Hundertprozent gefeit. «Wer sich den Virus trotz Impfung einfängt, wird häufig weniger schwer erkranken», sagt Vogt weiter. Dieser Umstand zeige die Schwierigkeit, Empfehlungen abzugeben, wer sich impfen lassen solle, und wer nicht. Es gebe jedoch allgemein anerkannte Empfehlungen, die für ältere und abwehrgeschwächte Menschen, so wie auch für betreuendes Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen gelten. «Gehört jemand nicht in eine dieser Kategorien, fühlt sich aber dennoch in seiner Abwehr geschwächt oder will er sich keinen Arbeitsausfall leisten, so kann er sich ebenfalls mit gutem Gewissen impfen lassen. Der Wirkstoff hat nur wenig Nebenwirkungen», erklärt Vogt.

 

«Möglicherweise ein Impfstoff, der gar nicht hilft»

 

Nicht für sinnvoll hält die Impfung hingegen Silvio Tribelhorn, Naturheilpraktiker. Von den Pharmafirmen werde empfohlen, dass jetzt geimpft werde, was bedeute, dass der Impfstoff bereits produziert sei. «Wir wissen aber noch gar nicht, welche Grippeviren uns im Winter heimsuchen werden», sagt Silvio Tribelhorn. Es sei erwiesen, dass jedes Jahr zwei bis vier neue Grippeviren entstünden. Also sei die Chance sehr gross, dass der Erreger der nächsten Grippewelle gar nicht im Impfstoff enthalten sei. «Ausserdem wird der Organismus bei der Impfung durch das Eindringen auf unnatürlichem Weg - durch die Haut - zusätzlich belastet», so Tribelhorn weiter. Die Erfahrung der letzten Jahre habe gezeigt, dass gerade Leute, die geimpft worden seien, massiv an Grippe erkrankt seien.
Christian Vogt bestätigt, dass die WHO jedes Jahr die zu erwartenden Virusstämme bestimme und aufgrund dieser Empfehlungen die Seren entwickelt werden. Die Erreger seien bisher immer recht gut bestimmt worden. «Der Impfstoff war somit auch immer im Rahmen seiner Möglichkeiten wirksam. Einen absoluten Schutz wird es nie geben.»

 

Impfung - ja oder nein?

 

«Der beste Schutz gegen eine Grippe ist nach wie vor ein intaktes Immunsystem», sagt Silvio Tribelhorn. Dieses erhalte man, indem man es so wenig wie möglich belaste. Eine durchgestandene, aber zu Hause richtig auskurierte Grippe sei zudem gar kein schlechtes Training für das Immunsystem. «Es wird immer von Schutzimpfung gesprochen. Fragen Sie doch mal Ihren Arzt, ob er Ihnen mit der Impfung garantieren kann, dass sie gegen die nächste Grippe geschützt sind.»
Generell empfehlen würde auch Christian Vogt die Grippeimpfung nicht. «Ob der Einzelne sich impfen lassen will oder nicht - aus welchen Gründen auch immer - muss jeder für sich selber entscheiden.»


 
Ist die Grippe-
Schutzimpfung
nutzlos? 
Belastet sie das
Immunsystem,
statt es zu 
schützen?
 

» Buchttipp: «Impfen, das Geschäft mit der Angst»
» Übersicht Presseberichte