Bericht aus dem Liechtensteiner Volksblatt vom 6. Juli 2002

 

«Der Homöopath behandelt nicht
                    Krankheiten, sondern Menschen»


Silvio Tribelhorn arbeitet seit elf Jahren als Homöopath und Heilpraktiker - Ein Interview

 

Jahrelang hat Silvio Tribelhorn als Drogist gearbeitet. «Bei dieser Arbeit spürte ich irgendwann, dass ich keine Befriedigung mehr darin fand, nur Medikamente zu verkaufen.» Der heute bald 50-Jährige liess sich zum Homöopathen ausbilden und sagt heute: «Ich bin glücklich mit meiner Arbeit und spüre heute wieder eine tiefe Befriedigung darin.»

 
Mit Silvio Tribelhorn sprach Cornelia Hofer
 

VOLKSBLATT: Was ist Gesundheit?

 

Silvio Tribelhorn: Gesundheit bedeutet für mich, auf seelischer, geistiger und körperlicher Ebene frei von Zwängen zu sein. Steht der Mensch nämlich unter ständigem Druck, fehlt ihm die Kraft, im Gleichgewicht zu bleiben. Dann gibt der Körper mit verschiedenen Symptomen Signale ab und teilt uns mit, dass wir nicht in der Balance sind. Der Organismus bildet Ventile und wenn wir diese zu unterdrücken versuchen, weil der eigene Zwang zu gross ist, melden sich in einigen Tagen, Wochen oder Monaten andere Symptome. Es entsteht eine Kettenreaktion, bei der wir auf den ersten Blick zwar keinen Zusammenhang sehen, immer aber eine Folge der Unterdrückung ist. Wir haben in uns eine Kraft, die alle Lebensvorgänge reguliert und laufend versucht, ein Gleichgewicht herzustellen. Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, nannte sie «Lebenskraft». Die Aufgabe der Lebenskraft jedes einzelnen Menschen ist also, die Harmonie und Ordnung in unserem Organismus aufrecht zu erhalten, so dass wir funktionieren. Gesundheit ist also der tägliche Kampf um das Gleichgewicht und bedeutet nicht einfach das Fehlen von Krankheitssymptomen.

 

Und was ist Krankheit für Sie?

 

Krankheit ist kein Zustand, sondern ein dynamischer Vorgang. Krankheit ist auch nichts Materielles, sondern etwas Energetisches, Nicht-Sichtbares, Nicht-Substantielles. Nur bei fortdauernder Krankheit entstehen krankhafte Gewebsveränderungen, sogenannte Endzustände, welche dann auch objektiv sicht- und messbar sind. Wird bei einem Patienten z.B. ein Tumor festgestellt - also eine Gewebsveränderung - , ist der Patient nicht krank, weil er einen Tumor hat, sondern der Tumor ist da, weil der Patient krank ist. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Wichtig ist auch, dass der Patient weiss, dass der Homöopath nicht die Krankheit, sondern den Menschen behandelt.

 

Landläufig hört man oft: «Homöopathie ist schon recht bei kleineren Krankheiten, aber wenn ich richtig krank bin, gehe ich zum Arzt.»

 

Das hat vor allem damit zu tun, dass unsere Arbeit nicht im materiellen, sondern im energetischen Bereich stattfindet. Und dieser Prozess ist nicht messbar, was ihn für viele Menschen schwierig macht. Dass dieses gängige Bild aber überhaupt nicht stimmt, zeigt auch die Tatsache, dass die eigentliche Domäne der Homöopathie in der Behandlung von schweren chronischen Erkrankung liegt, aber auch bei akuten Erkrankungen sehr schnell und tiefgreifend geholfen werden kann. Wichtig im Umgang mit der Homöopathie ist auch, dass der Homöopath den Menschen als Ganzes sieht und ihn auch ganzheitlich behandelt. Es geht nämlich nicht darum, ein Organ, sondern den Menschen als Ganzes zu heilen. Mit homöopathischen Mitteln wirkt man nicht primär auf das erkrankte Organ ein, sondern auf die Lebenskraft, die es steuert. Nur die so angeregten oder unterstützten Heilkräfte des Organismus heilen in der Folge den Kranken und seine Organe, soweit dies möglich ist.

 

Viele Patienten beklagen sich darüber, dass der Arzt kaum Zeit für sie hat und oft Fragen auch nach einer Visite noch unbeantwortet sind. Wie sieht das beim Homöopathen aus?

 

Die Zeit ist das Paradoxe: Ich höre immer wieder Patienten, die sich über die knappe Zeit des Schulmediziners aufregen. Wenn ich ihnen dann aber erkläre, dass eine erste Sitzung beim Homöopathen zwischen einer und zwei Stunden dauern könne, haben sie keine Zeit ! Man gibt sich selber also gar keine Zeit zur Heilung. Genau gleich, wie wenn ich eine Grippe habe und weiss, eigentlich sollte ich zwei, drei Tage im Bett bleiben, denn ich bin müde und überarbeitet und der Körper teilt mir das mit. Aus dem eigenen Zwang heraus nehme ich aber lieber ein Grippemittel, damit ich die Symptome nicht mehr spüre, und gehe zur Arbeit.

 

Wie haben Sie den Weg zur Homöopathie gefunden?

 

Als Drogist war ich eigentlich nicht so weit entfernt. Bei dieser Arbeit spürte ich irgendwann, dass ich keine Befriedigung mehr darin fand, nur Medikamente zu verkaufen. Ich suchte nach einer Methode, wo ich wirklich helfen konnte. In dieser Zeit hatte ich auch ein erstes Buch von George Vithoulkas gelesen, einem der weltbesten Homöopathen. Das hat vieles in mir ausgelöst. Seinen Theorien haben mich überzeugt und als Folge davon habe ich mich im Selbststudium in diese Materie eingelesen und anschliessend auch eine Ausbildung zum Homöopathen gemacht.

 

Welche Bilanz können Sie seit ihrem Umstieg ziehen?

 

Ich arbeite nun seit elf Jahren als Homöopath und jeder Tag ist aufs Neue spannend. Jeder Fall ist anders. Jeder Fall ist neu. Es gibt keinen Fall zweimal, aber gerade diese Tatsache macht die Arbeit interessant. Die Erfahrung spielt bei meiner Arbeit denn auch eine ganz grosse Rolle. Für mich ist es wichtig, selbstkritisch zu sein und meine Arbeit immer wieder zu hinterfragen, denn als Homöopath hast du nie ausgelernt. Eines kann ich aber klar sagen: Ich bin glücklich mit meiner Arbeit und spüre heute wieder eine tiefe Befriedigung darin.

 

«Homöopathie» - Buch von Silvio Tribelhorn

 

«Homöopathie - Akutbehandlung bei Krankheiten und Verletzungen» heisst das Buch, das der Liechtensteiner Homöopath und Heilpraktiker Silvio Tribelhorn zusammen mit seinem Berufskollegen Thomas Büchi geschrieben hat. Dabei geben die beiden Autoren der Leserschaft einen Leitfaden in die Hände, akute Erkrankungen im Sinne der klassischen Homöopathie nach Samuel Hahnemann erfolgreich zu behandeln oder bei Notfällen eine Unterstützung zu sein. Das Buch führt in die theoretische Grundlage ein, soll aber auch eine praktische Anleitung sein und erklärt Schritt für Schritt das Vorgehen für eine erfolgreiche Mittelwahl und beschreibt ausführlich 35 wichtige Arzneimittel. Das Buch ist in allen umliegenden Buchhandlungen und in der Naturheilpraxis Silvio Tribelhorn, Praxishaus am Weiherring, Mauren, erhältlich.


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